Wenn es um Katastrophenvorsorge geht, denken viele Menschen zuerst an Wasser und Notfallnahrung. Ein wirklich brauchbarer Vorrat besteht jedoch nicht nur darin, zu entscheiden, was gekauft werden soll. Ebenso wichtig ist zu wissen, für wie viele Tage der eigene Haushalt versorgt sein soll, wie viel bereits vorhanden ist, was fehlt und wie Ablaufdaten sowie Austauschzyklen verwaltet werden.
Erdbeben, Taifune, Starkregen, Schneefälle und andere Ereignisse können Strom, Wasser, Gas, Straßen, Bahnverkehr und Lieferketten unterbrechen. Selbst wenn ein Geschäft in der Nähe geöffnet bleibt, können Regale leer bleiben, weil keine Ware nachgeliefert wird. Wasser, Lebensmittel, Batterien, Papierprodukte und andere Dinge des täglichen Bedarfs können plötzlich schwer erhältlich sein.
Deshalb sollte Haushaltsvorsorge von „Wir haben wahrscheinlich etwas zu Hause“ zu „Wir wissen ungefähr, wie viele Tage unser Vorrat reicht“ weiterentwickelt werden.
Zuerst drei Tage, dann schrittweise auf sieben Tage erweitern
Einen vollständigen Sieben-Tage-Vorrat für einen ganzen Haushalt auf einmal anzulegen, kann teuer sein und viel Platz benötigen. Praktischer ist es, zunächst drei Tage abzudecken und den Vorrat anschließend schrittweise auf sieben Tage auszubauen.
Bei einem Vier-Personen-Haushalt nimmt allein das Wasser für sieben Tage erheblichen Platz ein. Kommen Lebensmittel, Notfalltoiletten, Hygieneartikel, Batterien, Babybedarf und Tierbedarf hinzu, wächst das Volumen deutlich.
Es ist nicht nötig, alles auf einmal zu kaufen. In einem Monat kann Wasser ergänzt werden, im nächsten Grundnahrungsmittel und danach Notfalltoiletten. Katastrophenvorsorge lässt sich leichter fortführen, wenn sie als Teil der normalen Haushaltslagerung verstanden wird und nicht als einmaliger Großeinkauf.
Wasser mit „Personen × Tage“ sichtbar machen
Als einfaches Beispiel kann man für Trink- und Kochwasser mit etwa 3 Litern pro Person und Tag rechnen.
Für zwei Personen über sieben Tage wären das 42 Liter. Für vier Personen 84 Liter. Bei 2-Liter-Flaschen entspricht das für einen Vier-Personen-Haushalt 42 Flaschen.
„Einige Flaschen Wasser“ klingt beruhigend, aber „84 Liter“ zeigt die tatsächliche Größenordnung wesentlich deutlicher.
Wasser wird außerdem nicht nur zum Trinken benötigt. Es kann für Händewaschen, einfache Reinigung, Körperpflege und Sanitärzwecke gebraucht werden. Deshalb ist es sinnvoll, Trink- und Kochwasser getrennt von anderem Haushaltswasser zu betrachten.
Nicht nur an Grundnahrungsmittel denken
Notfallnahrung wird oft mit Zwieback, Konserven oder lang haltbaren Produkten verbunden. Über mehrere Tage hinweg können jedoch sehr eintönige Mahlzeiten belastend werden.
Praktischer ist ein Vorrat, der der normalen Ernährung ähnelt: Grundnahrungsmittel, Eiweißquellen, Beilagen, Getränke, Snacks und Gewürze.
Als Grundnahrungsmittel kommen Reis, vorgekochter Reis, Nudeln oder Müsli infrage. Als Hauptkomponenten können Konserven oder verzehrfertige Gerichte dienen. Getrocknete Lebensmittel, Algen, Gemüsesäfte und ähnliche Produkte können das Sortiment ergänzen.
Wer ausschließlich spezielle „Notfallnahrung“ kauft, lässt diese oft jahrelang unangetastet liegen. Etwas mehr von den Lebensmitteln zu lagern, die man ohnehin regelmäßig isst, erleichtert die Rotation.
Rolling Stock einfach halten
Rolling Stock bedeutet, etwas mehr von den normalen Lebensmitteln vorrätig zu haben, ältere Bestände zuerst zu verbrauchen und das Verbrauchte anschließend wieder zu ersetzen.
Wer normalerweise sechs Packungen verzehrfertigen Reis lagert, kann beispielsweise zwölf lagern. Werden vier verbraucht, werden beim nächsten Einkauf vier neue gekauft.
Das ist weniger eine besondere Katastrophentechnik als vielmehr normale Bestandsverwaltung.
Das gleiche Prinzip wie beim LifeNaviHub-Rechner „Wie lange reicht es noch?“ kann hier verwendet werden:
vorhandene Menge ÷ täglicher Verbrauch = verbleibende Tage
Wenn 5 kg Reis vorhanden sind und der Haushalt täglich 600 g verbraucht, reicht der Vorrat etwas mehr als acht Tage. Sind 24 Wasserflaschen vorhanden und der Haushalt benötigt täglich sechs, reicht der Vorrat vier Tage.
Mengen in Tage umzuwandeln macht Engpässe sichtbar.
Notfalltoiletten sind ebenso wichtig wie Wasser und Lebensmittel
Die Toilettenvorsorge wird häufig unterschätzt. Wenn die Wasserversorgung ausfällt, kann eine normale Spültoilette möglicherweise nicht wie gewohnt benutzt werden. In Mehrfamilienhäusern können zusätzlich Probleme mit den Abwasserleitungen auftreten.
Wenn eine Person die Toilette fünfmal pro Tag benutzt, benötigt ein Vier-Personen-Haushalt etwa 20 Nutzungen pro Tag beziehungsweise 140 Nutzungen in sieben Tagen.
Das ist etwas völlig anderes als lediglich „ein paar“ Notfalltoilettenbeutel zu lagern.
Die benötigte Menge sollte anhand von Haushaltsgröße und gewünschter Vorsorgedauer berechnet werden.
Auch an Kochmöglichkeiten denken
Lebensmittel allein reichen nicht aus, wenn sie nicht zubereitet werden können.
Ein tragbarer Gaskocher ist nur dann nützlich, wenn auch passende Gaskartuschen vorhanden sind. Ein Wasserkocher funktioniert bei Stromausfall nicht.
Ein robuster Vorrat sollte daher eine Mischung enthalten aus Lebensmitteln, die ohne Erwärmen verzehrt werden können, solchen mit geringem Wasserbedarf und solchen, die sich mit einem tragbaren Kocher zubereiten lassen.
Stromversorgung und Batterien prüfen
Ein Smartphone kann im Katastrophenfall wichtig für Informationen und Kommunikation sein. Eine Powerbank hilft jedoch nur, wenn sie geladen ist.
Taschenlampen und Radios benötigen möglicherweise Ersatzbatterien.
Es sollte also nicht nur geprüft werden, ob die Geräte vorhanden sind, sondern ob sie sofort einsatzbereit sind.
Ein fester Termin alle sechs Monate für die Überprüfung des Katastrophenvorrats hilft, leere Batterien, ungeladene Powerbanks und veraltete Bestände zu vermeiden.
Haushalte mit Babys
Haushalte mit Säuglingen benötigen mehr als eine allgemeine Vorratsliste.
Je nach Familie können dazu Milchpulver oder trinkfertige Säuglingsnahrung, Babynahrung, Windeln, Feuchttücher und Wechselkleidung gehören.
Bei Windeln ist besonders zu beachten, dass Kinder schnell aus einer Größe herauswachsen. Übermäßige Bevorratung kann dazu führen, dass ein Teil ungenutzt bleibt.
Haushalte mit älteren Menschen
Ältere Menschen benötigen möglicherweise leicht kaubare oder leicht schluckbare Lebensmittel, Medikamente und vertraute Produkte des täglichen Bedarfs.
Ein Vorrat aus Lebensmitteln, die die Person normalerweise nie isst, kann in einer belastenden Notlage unpraktisch sein.
Chronische Erkrankungen und Lebensmittelallergien
Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Lebensmittelallergien können sich möglicherweise nicht auf allgemeine Notfallnahrung verlassen.
Geeignete Alternativen können nach einer Katastrophe schwer erhältlich sein. Deshalb ist eine haushaltsspezifische Vorbereitung wichtig.
Bei Medikamenten sollte nicht eigenständig ein übermäßiger Vorrat angelegt werden. Falls nötig, sollte ärztlicher oder pharmazeutischer Rat eingeholt werden.
Haustiere nicht vergessen
Hunde, Katzen und andere Haustiere benötigen gegebenenfalls Futter, Wasser, Toilettenmaterial, Medikamente, Leinen und Transportboxen.
Tierfutter eignet sich gut für Rolling Stock, weil einfach etwas mehr von dem gewohnten Futter gelagert und nach Verbrauch ersetzt werden kann.
Sind 3 kg Futter vorhanden und werden täglich 120 g benötigt, reicht der Vorrat etwa 25 Tage.
Hygieneartikel sind wichtig
Während einer Katastrophe können Baden und Wäschewaschen schwierig sein.
Je nach Haushalt können Feuchttücher, Körperreinigungstücher, Masken, Hygieneprodukte, Müllbeutel und Handschuhe nützlich sein.
Müllbeutel sind besonders vielseitig und können auch für Sanitärzwecke oder als Schutzmaterial verwendet werden.
Sommer und Winter benötigen unterschiedliche Vorräte
Im Sommer steht Hitzeschutz im Vordergrund, im Winter Kälteschutz.
Für den Sommer können zusätzliche Getränke, Sonnenschutz, Kühlhilfen und Hüte sinnvoll sein.
Für den Winter kommen Decken, warme Kleidung und Einweg-Handwärmer infrage.
Eine Überprüfung der Vorräte zum Jahreszeitenwechsel hilft, die Ausstattung aktuell zu halten.
Grundausstattung im Auto
Wer regelmäßig mit dem Auto unterwegs ist, kann auch dort einen kleinen Notvorrat lagern.
Dabei ist zu beachten, dass sich Fahrzeuginnenräume stark aufheizen können. Lebensmittel, Batterien oder andere temperaturempfindliche Produkte sollten nur unter Berücksichtigung ihrer Lagerbedingungen im Auto aufbewahrt werden.
Vorräte auf mehrere Orte verteilen
Wenn alle Vorräte an einem einzigen Ort lagern, können umgestürzte Möbel oder Schäden den Zugang verhindern.
Wo sinnvoll, kann ein Teil der Vorräte auf Küche, Eingangsbereich oder andere geeignete Stauraumorte verteilt werden.
Die Verteilung sollte jedoch nicht so weit gehen, dass niemand mehr weiß, wo etwas liegt. Eine einfache Liste oder ein Foto reicht oft aus.
Lebensmittel nicht nur nach Haltbarkeit auswählen
„Fünf Jahre haltbar“ oder „sieben Jahre haltbar“ kann praktisch sein, sollte aber nicht das einzige Auswahlkriterium sein.
Lebensmittel, die im Alltag nie gegessen werden, lassen sich vor Ablauf möglicherweise schwer verbrauchen.
Alltagsprodukte, die regelmäßig rotiert werden können, sind häufig leichter zu verwalten.
Evakuierungsrucksack und Hausvorrat haben unterschiedliche Aufgaben
Ein Evakuierungsrucksack muss leicht genug zum Tragen sein.
Ein Vorrat für das Verbleiben zu Hause kann dagegen deutlich mehr Wasser und Lebensmittel enthalten.
Beide sollten daher getrennt geplant werden.
Alle Haushaltsmitglieder sollten wissen, wo die Vorräte sind
Ein Vorrat ist weniger hilfreich, wenn nur eine Person weiß, wo er lagert.
Wasser, Lebensmittel, Notfalltoiletten, Taschenlampen und Erste-Hilfe-Material sollten für alle Haushaltsmitglieder auffindbar sein.
Einfache Beschriftungen können helfen.
Alle sechs Monate einen Vorsorgetermin einplanen
Vorsorge ist nicht an dem Tag abgeschlossen, an dem die Produkte gekauft wurden.
Ablaufdaten, Mengen, Batteriezustand, Ladezustand, Haushaltsgröße, Jahreszeit und Kleidergrößen sollten regelmäßig überprüft werden.
In LifeNaviHub kann „Katastrophenvorrat prüfen“ als wiederkehrende Haushaltswartung eingeplant werden.
Ein kleiner Schritt, den man heute tun kann
Katastrophenvorsorge wirkt schnell wie ein großes Projekt. Der erste Schritt kann aber sehr klein sein.
Wasser zählen.
Reis und haltbare Lebensmittel prüfen.
Notfalltoiletten zählen.
Powerbank laden.
Sobald der Ausgangsbestand bekannt ist, wird der nächste Einkauf wesentlich leichter planbar.
Beispiel: Vier-Personen-Haushalt für sieben Tage
Ein Beispielmodell erleichtert die Planung.
Wasser wird in Litern gezählt, Toilettenmaterial in Nutzungen, Lebensmittel in Mahlzeiten oder Portionen und Batterien in Stück.
Anschließend wird der vorhandene Bestand abgezogen. Es muss nicht alles neu gekauft werden.
So wird Katastrophenvorsorge zu einer gezielten Lückenschließung statt zu einem vollständigen Neustart.
Vorsorge mit dem Haushaltsbudget vereinbaren
Notfallvorräte können teuer werden, wenn alles gleichzeitig gekauft wird.
Ein monatliches Vorsorgebudget hilft, die Belastung zu verteilen.
Bei rotierbaren Lebensmitteln kann bereits eine leichte Erhöhung des normalen Haushaltsbestands ausreichen, um die Vorsorge schrittweise zu verbessern.
Ideen für Haushalte mit wenig Stauraum
In kleineren Wohnungen kann der verfügbare Platz ebenso problematisch sein wie das Budget.
Vorräte können zum Beispiel unter dem Bett, im Eingangsbereich oder in Küchenschränken verteilt werden, solange Fluchtwege und Sicherheit nicht beeinträchtigt werden.
Bei verteilten Vorräten sollte dokumentiert werden, wo sich was befindet.
Häufige Fehler bei der Bevorratung
Typische Probleme sind:
große Mengen lang haltbarer Lebensmittel kaufen und später alles gleichzeitig ablaufen lassen;
einen Gaskocher besitzen, aber keine Kartuschen;
Taschenlampen haben, deren Batterien leer sind;
Lebensmittel lagern, die niemand im Haushalt essen möchte;
Zubehör vergessen, das zur Nutzung eines Geräts erforderlich ist.
Notfalllebensmittel, die noch nie ausprobiert wurden, sollten möglichst im normalen Alltag getestet werden.
Zweimal jährlich prüfen
Frühling und Herbst sind praktische Zeitpunkte.
Geprüft werden können Wasser, Lebensmittel, Ablaufdaten, Notfalltoiletten, Batterien, Powerbanks, Gaskartuschen, Medikamente, Babybedarf, Tierbedarf und saisonale Kleidung.
Wird diese Kontrolle zur Routine, wird Katastrophenvorsorge zu normaler Haushaltswartung.
Zusammenfassung
Gute Katastrophenvorsorge bedeutet nicht, möglichst viel zu kaufen.
Der Bedarf sollte aus Haushaltsgröße, Anzahl der Tage und täglichem Verbrauch berechnet werden. Zuerst drei Tage absichern, danach auf sieben Tage erweitern. Wasser, Lebensmittel, Toiletten, Hygiene, Stromversorgung, individuelle Bedürfnisse und Haustiere einbeziehen.
Rolling Stock verbindet Alltagsnutzung und Vorsorge.
Mit den LifeNaviHub-Werkzeugen zur Restdauer und Haushaltswartung lässt sich „Wir haben etwas da“ in „Wir wissen, wie viele Tage unser Vorrat reicht“ verwandeln.